Titel des Hörstücks

Deutschlandfunk: Eine Sprache mit viel Herz: Die Bibel auf Romanes für Sinti

Roma stellen die größte Minderheit in Europa. Ihre Sprache heißt Romanes. Romanes ist eine Sprachfamilie. So wie slawische Sprachen miteinander verwandt sind, - z. B. Russisch und Tschechisch -, oder germanische, - z. B. Deutsch und Schwedisch -, sind Romanes - Sprachen miteinander verwandt. Sinti aus Deutschland können das Romanes der Lovara aus Ungarn oder der Kalderasch aus Rumänen eben so wenig verstehen wie Deutsche Schwedisch.

Im Romanes der Lovara und Kalderasch gibt es Literatur. In beide Sprachen ist die Bibel übersetzt. Für das Romanes der Sinti dagegen gab es bis vor einigen Jahren noch keine verbindliche Orthographie und Grammatik. Das hat historische Ursachen. Es ist nach den Erfahrungen in der Nazizeit nicht erwünscht, dass Nicht-Sinti die Sprache erlernen.

Vor 35 Jahren nun haben Sinti in Zusammenarbeit mit Sprachwissenschaftlern und Theologen angefangen, die Bibel in ihre Sprache zu übersetzen. Bald merkten sie, dass es erforderlich wird, mehrere Dialekte unter einen Hut zu bringen und, - ähnlich wie Luther -, eine Hochsprache zu schaffen. Jetzt ist das Projekt abgeschlossen. Es ist ein wichtiger Schritt zur Festigung der sprachlichen Identität.

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